Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Kreisverband Tübingen

Inklusions-Rikscha offiziell in Dienst gestellt

Sabine Noll, Bürgermeisterin der Stadt Sprockhövel • Ann-Kathrin Heck, Regionalmanagerin LEADER Region Ennepe.Zukunft.Ruhr e.V. • Sabine Schmitt, Vorsitzende der Lebenshilfe • Gäste & Betreuer der Tagespflege am Turm • Ulli Winkelmann, Lions Club Sprockhövel • Bernd Lauenroth (Projektleiter) sowie weitere Vertreter des ADFC Hattingen Sprockhövel © Holger Grosz, Ruhrkanalnews

Inklusions-Rikscha offiziell in Dienst gestellt

Mit Unterstützung der LEADER-Region Ennepe.Zukunft.Ruhr konnte der ADFC Hattingen/Sprockhövel eine weitere Rikscha für das Projekt „Radeln ohne Alter“ anschaffen.

Es sind oft die scheinbar einfachen Alltagsmomente, die maßgeblich über die Lebensqualität im Alter oder bei gesundheitlichen Einschränkungen entscheiden: Das Gefühl von frischer Sommerluft auf der Haut, das vertraute Rauschen der Blätter am Wegesrand oder der kurze, bereichernde Austausch mit Passanten auf der verkehrsberuhigten Straße. Was für die meisten Menschen eine alltägliche Selbstverständlichkeit darstellt, ist für Seniorinnen, Senioren und Menschen mit Behinderung oft unerreichbar geworden.

Um diese Hürden abzubauen und den Betroffenen ein Stück Selbstbestimmung zurückzugeben, hat der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) Hattingen/Sprockhövel im Rahmen des Erfolgsprojekts „Radeln ohne Alter“ am Freitag, den 7. August 2026, an der Tagespflege am Turm in Sprockhövel seine zweite Inklusions-Rikscha offiziell in Dienst gestellt. Mit der  Anschaffung dieses modernen Spezialfahrzeugs wächst die vom ADFC betreute Rikscha-Flotte in der Region Hattingen/Sprockhövel auf vier eigene Fahrzeuge an. Ergänzt durch die Dauerleihgabe der Da-Capo-Rikscha Sprockhövel sowie das Fahrzeug der Kirchengemeinde St. Peter und Paul steht im Verbund nun eine Infrastruktur von sechs Spezialrädern zur Verfügung. Damit können Wartelisten abgebaut und das Angebot in Alten- und Pflegeheimen sowie Tagespflegen weiter intensiviert werden.

 

Ein Projekt mit Geschichte, Leidenschaft und starker Förderung

Die Kooperation zwischen dem ADFC und den regionalen Pflegeeinrichtungen hat eine stetig gewachsene Tradition. Wie Projektleiter Bernd Lauenroth im Rahmen der Einweihung berichtete, geht die Grundidee für regelmäßige Ausfahrten mit der Tagespflege am Turm auf eine Begegnung vor mehreren Jahren zurück. Damals sprach ihn eine engagierte Pflegekraft auf einer Seniorenmesse an und fragte, ob ein solches Angebot nicht auch für die Gäste ihrer Einrichtung realisiert werden könne. Aus diesem ersten Impuls entwickelte sich Schritt für Schritt eine Erfolgsgeschichte, die bereits mehrfach – unter anderem mit dem 3. Platz beim Heimat-Preis Sprockhövel sowie dem AVU-Engagementpreis – ausgezeichnet wurde.

Dass das neuste Spezialfahrzeug des renommierten Herstellers VanRaam (Modell „Chat“) angeschafft werden konnte, ist breiter öffentlicher Unterstützung zu verdanken. Die Rikscha zeichnet sich durch eine ergonomisch geformte Sitzbank, eine absenkbare Fußplatte für ein barrierefreies Einsteigen sowie extra Akku-Kapazität aus, um die topografischen Steigungen Sprockhövels mühelos zu bewältigen. Der Großteil der Investition wurde über die LEADER-Förderung der Region Ennepe.Zukunft.Ruhr realisiert – gefördert mit Mitteln des Bundes und des Landes Nordrhein-Westfalen im Rahmen der „Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (GAK). Den verbleibenden Eigenanteil finanzierte der Lions Club Sprockhövel zusammen mit weiteren Unterstützern.

 

Bewegende Stimmen aus Politik, Pflege und Ehrenamt

Sprockhövels Bürgermeisterin Sabine Noll unterstrich bei der Schlüsselübergabe die gesellschaftliche Bedeutung der Initiative:

„Es ist schön zu sehen, wie aus einer Idee ein konkretes Projekt geworden ist, das den Menschen in unserer Stadt zugutekommt. Die zweite Inklusions-Rikscha ist eine wunderbare Ergänzung des Angebots des ADFC und steht für Mobilität, Begegnung und gelebte Teilhabe. Mein besonderer Dank gilt dem ADFC Sprockhövel, der sich mit großem ehrenamtlichem Engagement für dieses Projekt einsetzt und damit vielen Menschen ein Stück Lebensqualität schenkt.“

Wie tief diese Ausfahrten den Alltag der Pflegeeinrichtungen bereichern, verdeutlichte Marcel Beckers, Teamleiter der Tagespflege am Turm:

„Für die Gäste unserer Tagespflege bedeutet das Rikscha-Angebot eine unbezahlbare Steigerung der Lebensqualität. Die Ausfahrten schenken den Menschen den sprichwörtlichen ‚Wind in den Haaren‘, wecken Erinnerungen an früher und bringen pure Freude in den Pflegealltag.“

Auch für Sabine Schmitt, Vorsitzende der Lebenshilfe, verkörpert die Rikscha gelebte Inklusion. Menschen mit Behinderung nehmen aktiv am Straßenleben teil, werden von Passanten freudig gegrüßt und knüpfen neue Kontakte. Für die Zukunft ist geplant, auch die Bewohnerinnen und Bewohner der neuen Wohneinrichtung der Lebenshilfe mitten in Sprockhövel regelmäßig in das Tourenprogramm einzubinden.

 

Ein Gewinn für beide Seiten – Fahrerinnen und Fahrer gesucht

Das kostenfreie Angebot richtet sich vorrangig an Alten- und Pflegeheime sowie Einrichtungen der Lebenshilfe, steht aber nach Absprache auch für besondere Anlässe zur Verfügung – beispielsweise als generationenverbindendes Geschenk von Enkelkindern zur Goldenen Hochzeit der Großeltern.

Damit die zwei nun fest in Sprockhövel stationierten Fahrzeuge optimal ausgelastet werden können, bittet der ADFC die Bevölkerung um Mithilfe. Gesucht werden freiwillige Pilotinnen und Piloten, die Freude am Radfahren mitbringen und mobilitätseingeschränkten Menschen Zeit schenken möchten. Wie Koordinator Johannes Kock und Projektleiter Bernd Lauenroth betonen, erfordert das Ehrenamt keine speziellen Vorkenntnisse: Nach einer gründlichen Schulung und ersten Begleitfahrten übernehmen die Ehrenamtlichen selbst das Lenkrad – ein Einsatz, der auch den Fahrern unbezahlbare Glücksmomente und dankbare Lächeln zurückgibt.

 

Garage & Betriebskosten: Wachstum bringt Herausforderungen

Mit der größeren Flotte steigen jedoch auch unsere laufenden Fixkosten. Um die neuen Fahrzeuge sicher und geschützt unterzubringen, müssen wir unter anderem eine Garage unterhalten. Zusammen mit den Kosten für Versicherung, Strom, Wartung und Reparaturen entstehen uns dadurch jährliche Betriebskosten von rund 2.000 €. Um diese laufenden Kosten zu decken und unsere Fahrten auch weiterhin vollständig kostenfrei anbieten zu können, sind wir auf Ihre Mithilfe angewiesen. Egal ob kleiner oder großer Betrag: Jede Spende hilft direkt vor Ort! Ihre Spendenmöglichkeit:
 

  • Bankverbindung: ADFC Ennepe-Ruhr-Kreis
  • IBAN: DE 19 4525 0035 0009 0061 64
  • Verwendungszweck: Rikscha Radeln ohne Alter

(Als gemeinnütziger Verein stellen wir Ihnen selbstverständlich sehr gerne eine Spendenbescheinigung aus.)

Herzlichen Dank, dass Sie gemeinsam mit uns dafür sorgen, dass niemand in unserer Region auf das Lächeln bei einer Fahrradfahrt verzichten muss!

https://tuebingen.adfc.de/pressemitteilung/inklusions-rikscha-offiziell-in-dienst-gestellt

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