Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Kreisverband Tübingen

Kinder verschiedenen Alters spielen und bewegen sich auf einer gepflasterten Straße vor einem zweistöckigen Backsteingebäude. Über der Straße hängt ein buntes Banner mit der Aufschrift „Schulstraße“ und einem grünen Baum-Symbol. Im Hintergrund sind Erwachsene zu sehen, die die Aktion begleiten.

Bei einer Schulstraßen-Aktion erobern Kinder den Straßenraum vor ihrer Schule zurück und können sicher spielen und sich bewegen. © Anja Branger

Schulstraßen: Sicherheit vor dem Schultor

Straßensperrungen vor Schulen zu bestimmten Zeiten schaffen sichere Schulwege. Die neue StVO erleichtert es, „Schulstraßen“ auch in Deutschland umzusetzen. Dennoch sind europäische Nachbarländer hier schon deutlich weiter.

Jeden Morgen das gleiche Bild: Vor vielen Schulen herrscht Verkehrschaos. Eltern fahren ihre Kinder möglichst dicht vor den Eingang, parken ihre Autos in zweiter Reihe, Kinder steigen zur Fahrbahn hin aus. Was gut gemeint ist, kann schnell gefährlich werden. „Schulstraßen“ können hier Abhilfe schaffen – und bieten weit mehr als nur Sicherheit.

Das Konzept ist simpel: Der Autoverkehr wird vor Schulen zeitweise oder dauerhaft eingeschränkt. In anderen europäischen Ländern sind Schulstraßen längst etabliert. In Deutschland gibt es weniger als 100 Schulstraßen. Dabei haben sich die rechtlichen Rahmenbedingungen seit der Reform des Straßenverkehrsgesetzes und der Straßenverkehrs-Ordnung 2024 deutlich verbessert.

Neue Rechtslage schafft Klarheit

Die Novelle der Straßenverkehrsordnung vom Oktober 2024 hat rechtliche Hürden abgebaut. Ein aktuelles Rechtsgutachten des Kidical Mass-Aktionsbündnisses zeigt: Kommunen haben alle Werkzeuge für das Einrichten von Schulstraßen in der Hand. Es braucht nur den politischen Willen dazu.

Das Bündnis hat gemeinsam mit Rechtsanwält:innen und bundesweiten Partner:innen einen aktualisierten Leitfaden zur praktischen Umsetzung von Schulstraßen veröffentlicht. Das Gutachten und der Leitfaden greifen die neue Rechtslage auf und benennen klar kommunale Handlungsspielräume.

Erfolgsbeispiele zeigen: Es funktioniert

Köln, Berlin, Hennef und Leipzig machen vor, wie Schulstraßen in der Praxis funktionieren. Auch Bundesländer ziehen mit: Nordrhein-Westfalen, Hamburg und Schleswig-Holstein haben bereits Handlungsempfehlungen oder Erlasse zur Umsetzung von Schulstraßen veröffentlicht.

Schulstraßen schaffen Verkehrsberuhigung und sind ein Baustein für einen sicheren Schulweg.

Deutschlandweite Kidical Mass

Bei bundesweiten Aktionswochenenden im Mai und September können sich kleine und große Radfahrer:innen für kinder- und fahrradfreundliche Orte einsetzen. Sie machen sich für Orte stark, in denen sich alle Generationen sicher und selbstständig bewegen können.

Dabei sein und mitmachen: www.kinderaufsrad.org

 

Mehr als nur Sicherheit

Schulstraßen bringen vielfältige Vorteile mit sich: Sie erhöhen die Verkehrssicherheit, fördern die aktive Mobilität von Kindern und verbessern die Luftqualität. Zudem reduzieren sie Lärmbelastung und machen den Straßenraum lebenswerter.

Schulwege sollten

  • bei der Stadt- und Straßenplanung immer mitgedacht werden.
  • in ein sicheres und flächendeckendes Schulwegenetz eingebunden sein, Schulstraßen können hier Ausgangspunkte sein.
  • Tempo 30 haben – und zwar auf allen Schulwegen, auch auf Landes- und Hauptstraßen.
  • für Bund, Länder und Kommunen als verbindliche Ziele vorgegeben sein.

Sicherheitsrisiko Elterntaxi

Gut gemeinte Bringdienste mit dem Auto, sprich Elterntaxi, schaffen oft neue Gefahren: Vor den Schulen entsteht morgens ein unübersichtliches Verkehrschaos – die geparkten Fahrzeuge versperren den Kindern die Sicht und rangierende Autofahrer:innen erhöhen das Unfallrisiko für Kinder.

Sicherer Schulweg will gelernt sein

Kinder müssen den Schulweg unter realen Bedingungen trainieren – auch während der verkehrsreichen Rush-Hour außerhalb der Ferien. So können sie lernen, Gefahren zu erkennen und angemessen zu reagieren.

Ein sicherer Schulweg zeichnet sich durch breite Gehwege, übersichtliche Kreuzungen und sichere Querungsmöglichkeiten wie Ampeln oder Zebrastreifen aus. Eltern sollten verschiedene Routen testen und Wege wählen, die riskante Stellen vermeiden. Der kürzeste Weg ist nicht immer der sicherste.

Mehr Infos zum Schulweg per Rad bietet das ADFC-Dossier

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https://tuebingen.adfc.de/artikel/schulstrassen-sicherheit-vor-dem-schultor-9

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